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Thesenpapier zum Thema: Der Bologna - Prozess in der Juristenausbildung

Thesenpapier des FORUMs zum Thema Juristenausbildung

Das FORUM hat sich anläßlich des Regionalbeauftragtentreffens am 22./23.02.08 in Köln intensiv mit dem Thema Juristenausbildung auseinandergesetzt und dabei zunächst folgende gemeinsame Position zu dem Unterpunkt Studium – Stichwort: Bologna-Prozeß – gefasst: 

  1.) Beurteilung der derzeitigen Situation:

Das FORUM sieht die derzeitige Ausbildungssituation vor allem im Hinblick auf die Arbeitsmarktlage für Berufsanfänger als dringend reformbedürftig an. Nachdem seit vielen Jahren Juristen (vor allem wegen Einstellungsstopps in Justiz und Verwaltung und der zunehmenden Besetzung früherer juristisch geprägter Positionen durch Betriebswirtschaftler) zunehmend aus Mangel an Alternativen in den Anwaltsberuf drängen, plädiert das FORUM für eine frühzeitige und umfassende Information der Abiturienten und Studenten, damit diese sich bewusst und gezielt für eine Tätigkeit als Rechtsanwalt oder Rechtsanwältin entscheiden können. Damit geht es dem FORUM ausdrücklich nicht darum, den Anwaltsmarkt für nachfolgende Generationen vollständig abzuriegeln und einen „closed shop“ herbeizuführen.

Vielmehr setzt sich das FORUM ein für die Förderung zukünftiger Anwälte aus Leidenschaft und Überzeugung, denen es durch eigenen Einsatz und faire Zugangs- und Arbeitsbedingungen möglich sein muss, die eigene Existenz sowie die von Kanzlei und Familie zu sichern.

2.) Reform des juristischen Studiums:

Dieses Leitbild kann aus Sicht des FORUM nur erreicht werden, wenn nicht lediglich eine Reform des Referendariats, sondern auch einen grundlegende Änderung des juristischen Studiums vorgenommen wird. Zwar unterliegt die Ausgestaltung der Studieninhalte dem Hochschulrecht, jedoch ist dieser Punkt aus Sicht des FORUM von zentraler Bedeutung, da im Rahmen des Bologna-Prozesses in absehbarer Zeit mit einer Neuausrichtung auch des Jurastudiums zu rechnen ist, welche die aus FORUMs Sicht wichtigen Elemente durchaus berücksichtigen sollte.

Das FORUM spricht sich für die Umsetzung des Bologna-Prozesses grundsätzlich auch im Jurastudium aus und erhofft sich davon eine weitergehende internationale Akzeptanz sowie verbesserte Zugangsbedingungen zu weiterführenden Studiengängen und Arbeitsplätzen im Wirtschaftsbereich im In- und Ausland.

Dabei favorisiert das FORUM ein 4+1-Modell, da eine mit dem jetzigen Studium vergleichbare Ausbildungsqualität nach Einschätzung des FORUMs nicht in einem dreijährigen Studium erzielt werden kann. Dabei spielen auch weitere Überlegungen zum Inhalt des Studiums eine Rolle, die nachfolgend näher erläutert werden sollen.

Das FORUM plädiert für eine Zwischenprüfung, die den Studenten eine realistische Einschätzung ihrer eigenen Leistungen ermöglicht. Die derzeitige Studiensituation führt zu einer extremen Verlagerung der Anforderungen an das Ende des Studiums, die Prüfungsängste nährt und den Repetitorien einen steten Zulauf garantiert. Mit einer – dem medizinischen Studium vergleichbaren – frühzeitigen Leistungskontrolle wüssten die Studenten wesentlich früher, welchen Leistungstand sie haben und könnten sich gezielter auf eine eventuell anstehende Abschlussprüfung vorbereiten.

Erfahrungen mit Semesterabschlussprüfungen haben gezeigt, dass dadurch zugleich ein kontinuierlicheres Lernen gefördert wird.

Daneben hält es das FORUM für unerlässlich, dass durch die obligatorische Vermittlung von nicht-juristischen Studieninhalten ein Blick über den Tellerrand ermöglicht und fachliche Kompetenz auch in anderen Bereichen erworben wird.

Weiterhin sollte durch so genannte soft skills den Studenten soziale Kompetenz vermittelt werden, die bei der Ausübung einer anwaltlichen – und auch einer richterlichen – Tätigkeit oftmals erforderlich ist, derzeit aber im Studium überhaupt keine Berücksichtigung findet.

Überdies sollte es den Studenten auferlegt werden, während des Studiums ernstzunehmende Praktika in verschiedenen juristischen Bereichen zu absolvieren, damit sie frühzeitig entscheiden können, welche konkrete Tätigkeit sie später ergreifen möchten. Dies erscheint im Hinblick auf eine künftig mögliche Spartenausbildung umso wichtiger, da dann die bisher im Referendariat mögliche Orientierung entfiele und sich bereits der Hochschulabsolvent auf ein konkretes Berufsbild festlegen müsste, welches er deshalb schon im Studium kennen gelernt haben sollte.

Das FORUM wertet es als kritisch, wenn die Bachelor-Abschlüsse zukünftig ausschließlich von den einzelnen Universitäten verliehen werden, da es dann möglicherweise an einer Vergleichbarkeit der Ausbildungsqualität fehlen wird. Daher plädiert das FORUM für eine staatliche Abschlussprüfung am Ende des Studiums, um ein einheitliches Ausbildungsniveau der Absolventen zu gewährleisten.

Nach Abschluss des 4-jährigen Studiums soll es dem Bachelor möglich sein, die weitere Juristenausbildung anzutreten, ohne dass es hierzu eines Master-Abschlusses bedarf. Der Master-Abschluss sollte demnach als zusätzlicher Abschluss gewertet werden und der Freiwilligkeit unterliegen. Dadurch könnte der Master-Abschluss als eine spezielle qualifizierende, individuelle Fortbildungsmöglichkeit ausgestaltet werden.

3.) Resümee:

Es erscheint sinnvoll, die Reform des Studiums für eine darauf abgestimmte Reform des Referendariats bzw. der weiterführenden juristischen Ausbildung zu nutzen, um so ein in sich schlüssiges System zu gewährleisten.

Aus Sicht des FORUMs ist es in jedem Fall erforderlich, dass auch für die zukünftigen Rechtsanwälte eine hochwertige Ausbildung gewährleistet bleibt, damit diese ihrer Funktion als selbständiges und unabhängiges Organ der Rechtspflege gerecht werden können. Es erscheint unerläßlich, den angehenden Juristen eine frühe Orientierung – vorzugsweise schon während des Studiums – zu ermöglichen, um eine bewußte Entscheidung für den Anwaltsberuf, so wie sie derzeit leider häufig die Ausnahme darstellt, zu fördern.  

Köln, im Februar 2008

Forum Junge Anwaltschaft

 

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